Versöhnungsritual

Verletzungen in Beziehungen sind unvermeidbar. Leider wird vom Verletzten dem Anderen fast immer Absicht oder zumindest grobe Unsensibilität unterstellt. Dabei sind 85% solcher Kränkungen nicht bewußt oder mit Vorsatz passiert. Trotzdem belasten sie die Beziehung und können oft nicht losgelassen werden.

Es ist fast immer so, dass sich die unerquicklichen Auseinandersetzungen um Verletzungen daran aufhängt, dass der eine (direkt oder indirekt) sagt: „Du hast mich verletzt“ und der andere sagt: „Aber ich hab das doch gar nicht gewollt oder nicht so gemeint.“ Und daran entzündet sich dann der Streit aus Anschuldigungen und Rechtfertigungen. 

D.h. dass ganz entscheidend ist, klar zu machen, dass sein kann, dass du den anderen verletzt hast, auch wenn nicht deine Absicht war. Zur Konfliktbeilegung kommt es darauf an, dass du anerkennst, dass das, was du getan hast, den anderen verletzt hat, egal ob du es gewollt hast oder nicht. Das Anerkennen ist ein entscheidender Punkt. Es ist vielleicht der allerwichtigste Punkt. Anerkennen, dass ich gewollt oder ungewollt aus was immer für einer eigenen Problematik (oder Unbewußtheit) den anderen verletzt habe – und dafür die Verantwortung zu übernehmen.

Nachdem die Verletzung also ohne Vorwurf klar benannt ist, läßt sich das mit einem kleinen Ritual wieder auflösen:

Partner 1:
Ich höre und erkenne an, dass ich dich in der Vergangenheit (an dieser Stelle / mit dieser Verhaltensweise oder Aussage) verletzt habe, auch wenn es mir (damals) nicht bewusst war. Es tut mir leid und ich bedaure es!

Partner 2:
Ich sehe und höre, dass du anerkennst, dass du mich in der Vergangenheit verletzt hast und es dir leid tut. Ich nehme das an und es ist für mich jetzt in Ordnung! 
Ich bin bereit meine Verletzung loszulassen. Ich werde in Zukunft bei Auseinandersetzungen nicht mehr darauf zurückgreifen.

Lass uns befreit von dieser Last einen neuen Anfang machen.

Zitiert nach Hans Jellouschek
Buchtipp: Wie Partnerschaft gelingt, Spielregeln der Liebe, Herder, 7,- €