Die Weisheit des Spiegels

Der Partner ist immer auch ein Spiegel für Projektionen und verdrängte eigene Anteile. Dies wird in folgendem Spiegelgesetz sehr schön deutlich:


1. Spiegelgesetz:
Alles was dich am anderen stört, ärgert aufregt, in Wut geraten lässt und was ich anders haben will, habe ich selbst in mir.

2. Spiegelgesetz:
Alles, was der andere an mir kritisiert, bekämpft und verändern will und was mich verletzt, betrifft mich – dies ist in mir noch nicht erlöst.

3. Spiegelgesetz:
Alles, was der andere an mir kritisiert und mir vorwirft, anders haben will oder bekämpft, was mich aber nicht berührt, ist sein eigenes Bild, sein eigener Charakter, seine eigene Unzulänglichkeit, die er auf mich projiziert.

4. Spiegelgesetz:
Alles, was mir am anderen gefällt, was ich an ihm liebe, bin ich selbst, habe ich selbst in mir und liebe dies im anderen. Ich erkenne mich selbst im anderen – wir sind in diesen Punkten eins.

Aus: Christoph Thomann, „Klärungshilfe 2“

Versöhnungsritual

Verletzungen in Beziehungen sind unvermeidbar. Leider wird vom Verletzten dem Anderen fast immer Absicht oder zumindest grobe Unsensibilität unterstellt. Dabei sind 85% solcher Kränkungen nicht bewußt oder mit Vorsatz passiert. Trotzdem belasten sie die Beziehung und können oft nicht losgelassen werden.

Es ist fast immer so, dass sich die unerquicklichen Auseinandersetzungen um Verletzungen daran aufhängt, dass der eine (direkt oder indirekt) sagt: „Du hast mich verletzt“ und der andere sagt: „Aber ich hab das doch gar nicht gewollt oder nicht so gemeint.“ Und daran entzündet sich dann der Streit aus Anschuldigungen und Rechtfertigungen. 

D.h. dass ganz entscheidend ist, klar zu machen, dass sein kann, dass du den anderen verletzt hast, auch wenn nicht deine Absicht war. Zur Konfliktbeilegung kommt es darauf an, dass du anerkennst, dass das, was du getan hast, den anderen verletzt hat, egal ob du es gewollt hast oder nicht. Das Anerkennen ist ein entscheidender Punkt. Es ist vielleicht der allerwichtigste Punkt. Anerkennen, dass ich gewollt oder ungewollt aus was immer für einer eigenen Problematik (oder Unbewußtheit) den anderen verletzt habe – und dafür die Verantwortung zu übernehmen.

Nachdem die Verletzung also ohne Vorwurf klar benannt ist, läßt sich das mit einem kleinen Ritual wieder auflösen:

Partner 1:
Ich höre und erkenne an, dass ich dich in der Vergangenheit (an dieser Stelle / mit dieser Verhaltensweise oder Aussage) verletzt habe, auch wenn es mir (damals) nicht bewusst war. Es tut mir leid und ich bedaure es!

Partner 2:
Ich sehe und höre, dass du anerkennst, dass du mich in der Vergangenheit verletzt hast und es dir leid tut. Ich nehme das an und es ist für mich jetzt in Ordnung! 
Ich bin bereit meine Verletzung loszulassen. Ich werde in Zukunft bei Auseinandersetzungen nicht mehr darauf zurückgreifen.

Lass uns befreit von dieser Last einen neuen Anfang machen.

Zitiert nach Hans Jellouschek
Buchtipp: Wie Partnerschaft gelingt, Spielregeln der Liebe, Herder, 7,- €

Die Praxis des Zwiegesprächs

Eine sehr bewährte und tausendfach erprobte Methode des kontrollierten Paardialoges ist das Zwiegespräch (nach Lukas Moeller). Es bietet sowohl den geschützten Raum, sich ohne Gegenrede und Rechtfertigungstiraden ausdrücken zu können als auch die sehr förderliche Praxis des „Zuhörens“ zu kultivieren.

Der Rahmen für ein gelingendes Zwiegespräch scheint so einfach, dass er oft nicht beachtet wird. Jedoch enthält er die Bedingungen, auf die es ankommt.

Kürzeste Anleitung:

1. Vereinbaren Sie gemeinsam einen Haupt- und einen Ausweichtermin von 1,5 Stunden Dauer pro Woche. (wahlweise 3 x je 10 Min = 1Stunde)

2. Setzen Sie sich im Zwiegespräch face á face gegenüber.

3. Das Thema lautet: Ich erzähle dir, was mich zurzeit am stärksten bewegt (oder die letzte Woche besonders bewegt hat) – sei es innerhalb oder außerhalb der Beziehung.

4. Schweigen und schweigen lassen, wenn es sich ergibt. Zwiegespräche sind kein Offenbarungszwang und kein Dialog.

5. Beachten Sie für das erste Jahr die Viertelstundenregelung: Die erste Viertelstunde hat der eine, die nächste der andere. Dann noch einmal ein doppelter Wechsel.

6. Pünktlich beginnen, pünktlich aufhören. Zwiegespräche nie verlängern oder verkürzen.

7. Bei sich bleiben – man hat in der Welt des anderen nichts zu suchen. Zuhören ist angesagt

8. Bildersprache: Erläutern Sie sich in kleinen, konkret erlebten Szenen.

Wenn Sie mit Ihrem/Ihrer Partner/in einen festen Termin und einen Ausweichtermin für das Zwiegespräch vereinbaren, beachten Sie dabei, dass keiner zu Gunsten des Zwiegesprächs auf irgendetwas verzichten muss. Wenn einer etwas für diesen Termin opfert, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Denn dann erschweren Ungerechtigkeitsgefühle und Enttäuschungswut den Start der Gespräche.

Die Regelmäßigkeit der Gespräche ist das Geheimnis ihres Erfolges. So geht der unbewusste rote Faden nicht verloren. Jeder geht der Frage nach: „Was bewegt mich zur Zeit am stärksten?“ Es gibt kein anderes Thema im Zwiegespräch als das eigene Erleben. Einer erzählt dem anderen, wie er gerade sich, den anderen, die Beziehung und sein Leben erlebt. Die Partner tauschen sozusagen Selbstporträts aus. Benutzen Sie dabei die Bildersprache. Sprechen Sie in kleinen konkret erlebten Szenen.


Quelle> Lukas Moeller 
Die Wahrheit beginnt zu zweit – Das Paar im Gespräch

Tb: 280 Seiten, € 8,90, Verlag: Rowohlt 
ISBN-10: 3499603799 >> gleich bei Amazon bestellen

Das Geheimnis zum Glück

Eine berührende Geschichte, wie Wertschätzung und 
Konzentration auf das Positive eine Beziehung verändern kann.

Larry und Joann waren ein gewöhnliches Paar. Sie lebten in einem gewöhnlichen Haus in einer gewöhnlichen Straße. Wie jedes andere gewöhnliche Paar bemühten sie sich, durchzukommen und das Richtige für ihre Kinder zu tun. Sie waren noch auf eine andere Art gewöhnlich – sie hatten ihre Zänkereien. Viele ihrer Gespräche drehten sich darum, was in ihrer Ehe falsch und wer daran schuld war. Bis zu dem Tag an dem ein höchst ungewöhnliches Ereignis stattfand.

„Weißt du, Joann, ich habe eine Zauberkommode. Immer, wenn ich sie öffne, ist sie voller Socken und Unterwäsche“, sagte Larry. „Ich möchte dir danken, dass du sie alle diese Jahre gefüllt hast.“
Joan starrte ihren Mann über ihre Brille hinweg an. „Was willst du Larry?“
„Nichts. Ich möchte dich nur wissen lassen, dass ich diese Zauberkommode zu schätzen weiß.“
Dies war nicht das erste Mal dass Larry etwas Sonderbares getan hatte also vertrieb Joan diesen Vorfall aus ihren Gedanken – bis zu einem Moment ein paar Tage darauf.
„Joann, danke, dass du diesen Monat so viele richtige Schecknummern in das Hauptbuch eingetragen hast. Du hast 15 von 16 Nummern richtig eingetragen. Das ist ein Rekord.“ 
Ungläubig, dass sie richtig gehört hatte sah Joann von ihrer Flickarbeit auf. „Larry, du beklagst dich immer, dass ich die falschen Schecknummern aufschreibe. Warum hörst du jetzt damit auf?“
„Kein besonderer Grund. Ich wollte dich nur wissen lasen, dass ich deine Mühe zu schätzen weiß.“ Joan schüttelte den Kopf und wandte sich wieder ihrer Flickarbeit zu. „Was ist in ihn gefahren?“ murmelte sie leise.

Trotzdem, als sie am nächsten Tag im Supermarkt einen Scheck ausschrieb, warf sie einen Blick in ihr Scheckbuch, um sich zu vergewissern, dass sie die richtige Schecknummer eingetragen hatte. „ Warum kümmere ich mich auf einmal um diese dummen Schecknummern?“ Sie versuchte den Vorfall nicht zu beachten aber Larrys seltsames Verhalten steigerte sich.
„Joann, das war ein großartiges Abendessen“ sagte er eines Abends. „Ich weiß deine ganze Mühe zu schätzen. Ich wette, in den letzten 15 Jahren hast du über 14 000 Mahlzeiten für mich und die Kinder zubereitet.“
Und dann: „Mensch, Joann, das Haus sieht toll aus. Du hast sicher schwer gearbeitet, dass es so gut aussieht.“ Und: „Danke, Joann, dass du einfach du bist. Ich genieße deine Gegenwart wirklich.

Joann begann sich Sorgen zu machen. „Wo ist der Sarkasmus? Die Kritik?“ fragte sie sich.
Ihre Sorge, dass etwas Eigenartiges mit ihrem Mann geschah wurde durch die 16 jährige Shelly bestätigt, die klagte: „Dad ist übergeschnappt, Mom. Er hat mir gerade gesagt, dass ich hübsch aussehe. Bei all dem Make-up und den schlampigen Kleidern hat er es trotzdem gesagt. Das ist nicht Dad, Mom. Was stimmt mit ihm nicht?“

Was auch immer nicht stimmte, Larry hörte nicht damit auf. Tagein, tagaus, fuhr er fort sich auf das Positive zu konzentrieren. Als die Wochen vergingen, begann Joann sich an das ungewöhnliche Verhalten ihres Mannes zu gewöhnen und sagte ihm sogar gelegentlich ein widerwilliges „Danke“. 
Sie rühmte sich spielend mit allem fertig zu werden, bis eines Tages etwas so Eigenartiges passierte, dass sie völlig aus der Fassung geriet. „Ich möchte, dass du eine Pause machst“; sagte Larry. „Ich werde das Geschirr abwaschen. Also nimm deine Hände von der Bratpfanne und verlass die Küche.“
(Sehr lange Pause) „Danke, Larry. Ich danke dir sehr!“

Joann´s Schritte waren jetzt ein bisschen leichter, ihr Selbstvertrauen größer und ab und zu summte sie ein Lied. Ich mag Larrys seltsames neues Verhalten eigentlich recht gerne“, dachte sie.
Das wäre das Ende der Geschichte, wenn nicht eines Tages ein weiteres höchst ungewöhnliches Ereignis stattgefunden hätte. Dieses Mal war es Joann die sprach.
„Larry“, sagte sie, „ich möchte dir danken, dass du seit all diesen Jahren zur Arbeit gehst und für uns sorgst. Ich glaube nicht, dass ich dir jemals gesagt habe, wie sehr ich es zu schätzen weiß.“

Larry hatte nie den Grund für seinen grundlegenden Wandel verraten, so sehr auch Joann auf eine Antwort drängte. Und so wird es wahrscheinlich eines der Geheimnisse seines Lebens bleiben. Aber es ist eines, mit dem zu leben ich dankbar bin. Sehen sie, ich bin Joann.

Joann Larsen

aus: „Hühnersuppe für die Seele „ – Geschichten, die das Herz erwärmen, Jack Canfield (Goldmann Tb)

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Als ich mich selbst zu lieben begann…

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann.
Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !

Charlie Chaplin
an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959

Die 6 Phasen einer Partnerschaft

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Sie Ihren Partner kennen lernten, an die Zeit der Verliebtheit und des gegenseitigen Werbens? An die Zeit, als Sie es kaum erwarten konnten, ihm zu begegnen, und ihm unendlich viel zu erzählen hatten? Wieviel Zeit ist seitdem vergangen. Konnten Sie sich einen Hauch dieser Gefühle über die Jahre hinweg erhalten? Wenigstens ab und zu? Dann ist das wunderbar. Wenn nicht, können Sie vielleicht ein klein wenig davon zurückerobern.

Bei vielen Paaren kommt es im Laufe der Jahre dazu, dass man sich anödet, streitet oder still vor sich hin leidet. Ab und zu solche Phasen zu erleben, das ist noch nicht so bedrohlich. Als Dauerzustand hat es jedoch negative Auswirkungen auf den Körper und die Seele. Überhaupt müssen wir uns vom Bild des Märchenprinzen, der uns ins Paradies führt und für ein immerwährendes Glücksgefühl sorgt, verabschieden. Sicher haben Sie diese Kenntnisse auch über all die Ehejahre gewonnen. Die Partnerschaft verläuft in verschiedenen Phasen.

Die amerikanische Ehetherapeutin Liberty Kovacs unterscheidet 6 deutlich voneinander abzugrenzende Etappen in einer Partnerschaft. Jedes Paar braucht unterschiedlich lang, um bis zu Phase 6 zu kommen. Manche Paare machen dazwischen Rückschritte oder verharren in einer Phase, so dass sie nie zur Phase 6 gelangen.


1. Schwärmerei

Beide Partner betrachten sich als ideal, entdecken Gemeinsamkeiten, sind bereit, sich auf den anderen einzustellen und ihm seine Wünsche zu erfüllen. Verliebtheitsgefühle und Sehnsucht nach Nähe herrschen vor. „Hauptsache mit dir zusammen sein“, ist die Grundhaltung.

2. Erwartungen

Verschiedenheiten und Schwächen treten zutage. Die Partner beginnen, sich wieder mehr um ihre Interessen zu kümmern. Die Alltagspflichten rücken in den Vordergrund. Gefühle der Enttäuschung treten auf.

3. Machtkampf

Jeder versucht, den anderen zu verändern, ihn nach seinen Erwartungen zu formen. Vorwürfe, Misstrauen, Wut, Schuldzuweisungen treten auf.

4. Verflixtes 7. Jahr (muss nicht mit dem tatsächlich 7. Jahr nach Heirat identisch sein)

Einer oder beide Partner verspüren den Drang, die Partnerschaft aufzugeben. Sie fühlen sich vom Partner eingeengt.

5. Versöhnung

Die Partner finden allmählich wieder zueinander. Sie erkennen, dass der jeweilige Partner nicht unbedingt den eigenen Erwartungen gerecht werden muss.

6. Akzeptanz

Beide Partner haben ein Gleichgewicht zwischen Nähe und Selbständigkeit entwickelt. Sie genießen ihr Zusammensein und nehmen den anderen an, wie er ist.

Dieses Modell macht deutlich, dass Krisen und Unzufriedenheit ganz normale Erscheinungen in einer Partnerschaft sind. Jeder einzelne Partner muss sich weiterentwickeln. Außerdem führen auch äußere Umstände wie etwa die Berentung oder der Auszug der Kinder dazu, dass man sich neuen Lebenssituationen anpassen muss.

Partnerschaft positiv leben

Positive Eigenschaften /Fähigkeiten

Empathie / Einfühlung Wertschätzung
Dankbarkeit, Wohlwollen Achtsamkeit, Respekt
Toleranz, Geduld Kompromissbereitschaft Kritik/Feedback annehmen können Fehler zugeben können

Sich entschuldigen können Freiräume/Freiheiten lassen Verantwortung übernehmen

Beziehungsstörend, -entfremdend

Perfektionismus Unzuverlässigkeit
Sich nicht entschuldigen und Fehler nicht eingestehen können alles selbstverständlich nehmen Rückzug/Schweigen
Recht haben wollen
Opferrolle
Kontrollsucht
Eifersucht
Klammern

Positive Kommunikation

Ich-Botschaften:
(meine Sicht, mein Gefühl, mein Bedürfnis, meine Bitte)
Konstrukt. Streitkultur, lösungsorientiert Sich zusammen – statt
auseinander zu setzen
aktives Zuhören / ausreden lassen Konstruktive Fragen:
Was fehlt dir? Was brauchst du? Beziehung als (Forschungs-)Projekt

Vermeiden:

Du –Botschaften (du bist …) Vorwürfe, Anklagen, Kritik Schuldzuweisungen, Urteile Bewertungen, Abwertungen Besserwissen, Zurechtweisen Lächerlich machen, verharmlosen Letztes Wort haben, unterbrechen Ja, aber – Sätze

Immer/nie- Sätze
Den anderen nicht ernst nehmen Drohen, Strafen, Appelle, Forderungen Analysen, Diagnosen (dein Problem ist) Kramen in der Vergangenheitskiste

Aktivitäten

Gemeinsame Rituale / Projekte
(Kochen, Spazieren gehen, Garten, Sport)

gemeinsame Zeiten ohne Kind Ausgehen, Kino, Essen gehen etc.
alle 1⁄4 Jahre ein Wochenende wegfahren

Freier (halber) Samstag im Wechsel Verwöhnabend (Prinzessin/Pascha)

Überraschungen, eine Freude bereiten

Zeit geben zum Ankommen n. d. Arbeit Zeit geben zum Alleinsein

Balance Autonomie – Gemeinsamkeit Balance Selbständigkeit – Nähe Eigene Freunde und Hobbies

Versöhnungsritual (H. Jellouschek) Zwiegespräche (Lukas Moeller) Dankesschaukel

David Luczyn: www.coaching-frankfurt.de Tipps + Texte: www.paarcoaching-frankfurt.de

Doris Wolf: www.partnerschaft-beziehung.de

Meine Sicht – deine Sicht

Einen typischen, aber groben Fehler machen wir, wenn wir davon ausgehen, dass meine Sicht der Dinge die Bessere oder sogar die Richtige ist. Das passiert ständig und Anlass für viel Konflikte und Auseinandersetzungen unter Paaren, der schon etwas gelindert werden könnte, wenn man diesen kleinen Passus dazu sagt. Zum Beispiel „Aus meiner Sicht ist dieses Verhalten sehr egoistisch oder bequem oder leichtsinnig etc.“ Dies ist ein himmelweiter Unterschied zu „Du bist oder das ist sehr egoistisch, bequem oder leichtsinnig. Seine eigene Sicht darzustellen löst bei weitem nicht soviel Widerstand, Gegenangriff oder Rechtfertigung aus, denn es ist erst mal nur eigene Sichtweise, Meinung oder Interpretation und die darf jeder haben. Deswegen muss es nicht wahr sein und jeder kann ganz ruhig seine Sicht oder Gründe für sein Verhalten darstellen ohne sich verteidigen oder rechtfertigen zu müssen.

Ein Beispiel: Bei Max und Anna stand ein Autokauf nach einem Unfall an. Max wollte unbedingt ein sichereres Auto also am besten Mercedes A-Klasse. Anna war das eine Nummer zu groß, zu protzig und zu teuer. Ihr wäre ein Polo oder Golf ausreichend. Peter war in seiner Sorge so stur und blind, dass er Annas Argumente nicht hören wollte und konnte. So stritten sie sich schon wochenlang, bevor sie in meine Praxis kamen. Es war ein klassisches Beispiel für viele ähnliche Themen. Die Kunst des konstruktiven Streitens liegt darin, deine und meine Welt (Wer-te, Sichtweisen) getrennt zu betrachten und nebeneinander zu stellen statt gegeneinander oder sogar darüber. Dazu ist es unabdingbar notwendig, die Sicht des Anderen erst mal zu verstehen und auch wiederzugeben, was man verstanden hat. Nachdem Anna die gute Absicht (Sorge) hinter Max Drängen anerkannt hatte, war auch Max deutlich leichter in der Lage, Annas Bedürfnisse wahrzunehmen, seine Sturheit zu sehen und zurück auf eine sachliche Ebene zu kommen. Vorher fühlten beide sich nicht gehört und verstanden, sondern sogar abgewertet und auch überrumpelt. Max stand darüber hinaus unter einem irrationalen Zeitdruck, weil er dachte, morgens und abends zum Bahnhof zu laufen, wäre nicht zumutbar für sie. Ihr dagegen machte es gar nichts aus. Lieber so als voreilig zu entscheiden. Nachdem das klar war, war schon sehr viel Spannung weniger im Raum und jeder war deutlich mehr bereit, seinen Standpunkt zu überdenken bzw. den des anderen gelten zu lassen.

Das Prinzip lässt sich auch sehr gut auf Werte wie Ordnung und Sauberkeit übertragen. Hier kommt es sehr häufig zu Polarisierungen und Machtkämpfen, Abwertungen und Unterstellungen. Bettina ist beim Saubermachen sehr gründlich und penibel, Frank dagegen eher locker und oberflächlich. Sie bewertet sein Verhalten als schlampig und bequem, er das ihre als übertrieben und zwanghaft. Das ist der Stoff, aus dem Scheidungen entstehen. Hier braucht es außer dem Verständnis für die Bedürfnisse des anderen natürlich auch Entgegenkommen und Kompromissbereitschaft.
Der eine fühlt sich nur wohl, wenn jeden Tag gesaugt wird, dem anderen reicht es einmal die Woche. Keiner ist deswegen falsch, er hat andere Werte und Bedürfnisse und die gilt es erst mal zu hören und zu respektieren, bevor man sich über Sinn und Machbarkeit und eventuelle Kompromisse einigt. Beide sind offensichtlich in verschiedenen Welten (Elternhäusern) aufgewachsen und jeder hat – teils unter Strafe – gelernt, was die Eltern als normal definieren.

Fazit
1. Die verschiedenen Sichtweisen nebeneinander und nicht gegeneinander stellen bzw. stehen lassen. Am besten in eigenen Worten wiedergeben. 
2. Die jeweils andere Sichtweise verstehen und respektieren und nicht be- oder abwerten. Die Sicht des anderen zu verstehen, heißt nicht ihm Recht zu geben! 
3. Erst jetzt nach Kompromissen oder Lösungen suchen.

Bedürfnis- und Wertekonflikte

Viele Konflikte, egal ob internationale, geschäftliche oder private, haben ihre Ursache in den unterschiedlichen Werten bzw. Glaubenssätzen, die jemand verinnerlicht hat. Solche Wertkonflikte erkennt man leicht an dem Wörtchen „man“.

Als Kinder mußten wir zum Beispiel allzu oft vor dem Satz kapitulieren: „Das macht man nicht“. Das „man“ als verallgemeinerte, scheinbar unantastbare mentale Reliquie erstickte fast jeden Widerstand im Keim, vor allem, wenn es auch noch mit hochgezogenen Augenbrauen, dem drohenden Zeigefinger und einem entsprechenden abfälligen oder Strafe androhenden Ton verbunden war. Als Kind hatte man selten eine Wahl: entweder anpassen, sich also geistig knebeln lassen, um dafür Lob und Liebe zu bekommen, oder aber verweigern. Machte man dies offen, gab es Hiebe oder Liebesverlust. Machte man es versteckt, wurde man zu einer gespaltenen Persönlichkeit. Nach außen freundlich und angepaßt, innerlich berstend. Was man weder so noch so erreichte, war Verständnis, Einsicht und damit ein kooperatives Miteinander. Sind Sie an einer solchen Kommunikation mit Ihrer Umwelt interessiert, tun Sie gut daran, sowohl Ihre eigenen Werte und Glaubenssätze zu kennen und als subjektive Wahrheit zu identifizieren, als auch die Wert(konflikt)e anderer entsprechend einfühlsam zu behandeln.

Das heißt, wenn immer das Verhalten einer anderen Person Sie ärgert oder betroffen macht, ohne daß Ihre Bedürfnisse beeinträchtigt sind, handelt es sich um einen solchen Wertekonflikt (im Gegensatz zum Bedürfniskonflikt). Zwei Beispiele: 

a) Ihr Partner raucht auf der Terrasse eine Zigarette. Sie ärgern sich, weil er seine Gesundheit ruiniert oder diesem Zwang so wenig entgegensetzt. 
b) Ihr Partner raucht im Wohnzimmer und Sie fühlen sich unwohl in der verrauchten Luft

a) Ihr Sohn läuft in diesen unsäglich weiten und viel zu großen Hosen herum. Es ist Ihnen peinlich, wenn er so durch die Stadt geht
b) Sie müssen daher jeden zweiten Tag die Hose waschen bzw. alle drei Wochen eine neue Hose für ihn kaufen

Bei a) sind Sie nicht betroffen, aber Ihre Werte sind tangiert. Daher ärgern Sie sich, reagieren entsprechend vorwurfsvoll oder ironisch und der Streit ist vorprogrammiert. 

Bei b) handelt es sich um einen Bedürfniskonflikt, wo Sie ein Recht haben, Ihre Gefühle und Ihren Ärger zu äußern, um eine gemeinsame Lösung zu finden, die auch auf Ihre Bedürfnisse Rücksicht nimmt (wie man das optimal macht, später). Bei a) geht es um Wertkonflikte und die müssen anders behandelt werden. Sie müssen sich erst einmal die Frage gefallen lassen müssen: „Wer hat das Problem? Oder wer macht sich ein Problem?“ Die Antwort lautet natürlich: Sie! Nur meistens wollen wir das nicht wahrhaben, weil nach unserem Weltbild oder unserer Überzeugung man so etwas nicht macht bzw. nicht machen sollte. Hier rührt sich die eigene Verdrängung, da ein anderer etwas tut, das Sie (vielleicht) unterdrücken mussten. 

Da hilft statt Überstülpen Ihres eigenen Weltbildes nur Verstehen und Akzeptieren (lernen). Und das kann man durch ruhiges, neugieriges (nicht vorwurfsvolles) Nachfragen am besten erreichen. In unserem Beispiel durch: “Was gibt Dir diese Zigarette jetzt? Wozu brauchst Du sie? Warum ist es Dir so wichtig, solche Hosen zu tragen?“ Solchermaßen nachgefragt setzen Sie einen konstruktiven Dialog in Gang, der eventuell auch den anderen zum Nachdenken anregt. In jedem Fall fördern Fragen die Verständigung und das Verständnis mehr als Vorwürfe und Bewertungen, die eh nur darauf hinauslaufen, daß der andere sich ändern soll, damit Sie sich nicht ärgern (und in Frage stellen) müssen.

Klar, dass der andere das unterschwellig merkt, denn für Abwertungen, Ablehnungen und Aufforderungen zur Verhaltensänderungen haben wir alle einen 6. Sinn. Die Lösung liegt also in der Anerkennung und Würdigung der Werte und Bedürfnisse des anderen. Sich selbst können Sie durch die Frage entspannen: „Ist das wirklich wahr? …. so schlimm? …. so unmöglich?

Sind Sie selbst in der umgekehrten Position, dass man Ihnen mit aggressivem oder ironischem Vorwurfston ein „man (oder Sie) sollte …“ um die Ohren gehauen hat, gibt es folgende Lösungsvarianten:

a) die konfrontative:
Wer sagt das? Woher wissen Sie das? Stimmt das wirklich so?

b) die diplomatische:
Was stört Sie daran?

c) die verständnisvolle:
Es scheint Sie zu stören, zu ärgern, zu irritieren, dass …. oder „Ich kann mir vorstellen (verstehen), dass Sie das ärgert, stört, irritiert … ! Pause! – Darf ich dir sagen, wie es mir damit geht? 

Sollte Ihr Kind Sie also jemals bei einer „Das-macht-man-nicht-Aussage“ unschuldig fragen: „Wieso?“, dann erklären Sie es ihm, wenn Sie können – oder hinterfragen und ändern Sie Ihre Einstellung. Als Dank erhalten Sie ein mündiges, selbständig denkendes Kind und Sie entwickeln sich zum verständnisvollen, den Anderen in seiner Einzigartigkeit und Eigenständigkeit würdigenden Menschen.